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H.M.: Seit 2006 verantworten Sie in Friedrichshagen die Lesereihe „Bobrowskis Mühle“. Sind Sie eigentlich ein Einheimischer?
K.G.: Ich bin Berliner, aber nach Friedrichshagen bin ich erst 2004 gezogen.
Die Idee für die Lesereihe entstand seinerzeit im Zuge des Bölschefestes. Gemeinsam mit Anja Zschiesche, die damals das Café „MokkaMehr“ betrieb, habe ich überlegt, was man dazu machen kann.

Eine Lesung,  das lag nahe.
Es war April, da hat Johannes Bobrowski Geburtstag. Deshalb wollte ich eigene und Texte von Bobrowski lesen. Das hat mich dann weiter beschäftigt, denn so viel Literarisches fand zu jener Zeit in Friedrichshagen nicht statt. Mich hat das angestachelt, dieser Ort mit solchen Traditionen, wie der Dichterkreis zum Beispiel. Die Literatur schien mir jedenfalls hier unterbelichtet. Anja Zschiesche als ehemalige Buchhändlerin war gleichfalls interessiert.

So habe ich dann die Bobrowski-Gesellschaft gefragt, ob sie als Schirmherr und Mitveranstalter einsteigen will. Anfangs hat der Verlag „Kookbooks“ die Autoren gestellt, nach einem halben Jahr habe ich diese Auswahl übernommen.

H.M.: Mit welchem Konzept?

K.G.: Eine wichtige Absicht war und ist, Bobrowski nach vorn zu stellen. Ich finde, er steht in der Tradition von Hölderlin, Klopstock, Rilke. Ein Dichter, der bleiben wird, deshalb „Bobrowskis Mühle“. Es soll jedes Mal auch eine Verbeugung sein vor diesem Schriftsteller. Man kann sein Texte hören und wie sich die Autoren zu ihm in Beziehung setzen. Das ist immer sehr reizvoll: Welche Texte suchen die Autoren aus? Was entsteht da für ein Spannungsfeld zu ihren eigenen Arbeiten?

H.M.: Wie wird die Lesereihe realisiert?

K.G.: Finanziert haben die Reihe anfangs Friedrichshagener Gewerbetreibende, jeder als Sponsor für je eine Lesung, vom Computerhändler bis zum Bestattungsinstitut. Leider ließ sich das nicht durchhalten.
Es kam dann auch zu einem Einbruch bei den Besucherzahlen. Wir hatten ja früher immer zwei Autoren pro Lesung. Irgendwann war das einfach nicht mehr zu stemmen. So haben Adam Bobrowski und ich beschlossen, eine Auszeit zu nehmen.
Adam schlug vor, mit der Reihe in das Café „Dresdner Feinbäckerei“ in der Bölschestraße zu gehen. Zuerst war ich skeptisch, aber der Ort ist sofort angenommen worden, rappelvoll von Anfang an. Es passen 40 Leute rein und die 40 kommen auch. Hier gibt es so einen Wiener Kaffeehaus-Charme. Die Autoren sind gern hier, wegen der intimen, dichten Atmosphäre. Man ist nah am Publikum, nach der Lesung sitzt man noch beieinander und kommt ins Gespräch. Bäckermeister Rainer Schwadtke ist zudem ein wunderbarer Gastgeber, der sehr herzlich mit den Autoren umgeht und ihnen immer ein Geschenk des Hauses überreicht..

H.M.: Wie gefällt den Autoren die Grundidee von „Bobrowskis Mühle“?

K.G.: Die Autoren sind dankbar für dieses Format. Manche hatten Bobrowski vorher nicht gelesen und sind anschließend froh, dazu gewissermaßen gezwungen worden zu sein.
Interessant ist, dass sich die ausgewählten Bobrowski-Texte kaum doppeln. Das spricht für ihn, aber auch für die Autoren, die sich Mühe geben, das zu ihnen Passende zu finden, den Kontext zu ihrer eigenen Arbeit.

H.M.: Wie geht es 2014 weiter mit „Bobrowskis Mühle“? Und was hat der Autor Kai Grehn in diesem Jahr vor?

K.G.: Am 6. Februar lesen Jakob Hein und Jürgen Wille aus ihrem Buch „Deutsche & Humor. Geschichten einer Feindschaft“. Den Ausblick auf die nächsten Lesungen gibt es regelmäßig auf meiner Homepage, www.kaigrehn.de. Und im Kultur-Magazin stehen die Termine ja auch immer.
Ich selbst? – Eigene Texte natürlich, Hörspiele, Arbeiten für das Theater. Aber: Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen.

Mit Kai Grehn sprach Harry Mehner.

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