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als internationales Zentrum für Kunst, Kreativität und Begegnung

Eine Geschichte aus Schöneweide!

Wenn wir die Erinnerung an Menschen in Ehren halten wollen, so tun wir dies am besten dadurch, dass wir das, was ihnen wichtig war, lebendig erhalten. Dies mag bisweilen mit Schwierigkeiten verbunden sein, Arbeit und auch etwas Mut verlangen. Im Angesicht dessen, was viele geleistet, gewagt und welchen Preis sie gezahlt haben, sollte es dies durchaus wert sein.

Hasselwerder Villa (ehem. Fabrikantenvilla, Hasselwerderstraße 22 | 12439 Berlin)

Einst gab es an der Südseite des Kaiserstegs die Werkhallen einer Stoffe- und Plüschfabrik, Wohnhäuser für deren Mitarbeiter, die Hasselwerder Villa, das Theater-Kino Elysium und den Wurstmaxen.
Die Plüschfabrik hieß A&A Lehmann AG und gab in ihrer Zeit starke Impulse für die Wirtschaft in Schöneweide. Ihr Direktor Richard Lehmann lebte hier mit seiner Frau Elsbeth „Else” Lehmann, dem Sohn Hans und Tochter Edith, in direkter Nähe zur Fabrik und den Mitarbeitern; zunächst in eher einfachen Verhältnissen und ab 1906 in der eigens für sie neu errichteten Hasselwerder Villa.
Die Lehmanns galten als bodenständig und menschennah, sie setzten sich für ihre Mitarbeiter ein und engagierten sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen und Kindern. Richard Lehmann war unter anderem auch Gemeindevertreter in Niederschöneweide und Eigentümer des Theater-Kinos Elysium.

Zwischen Theater-Kino und Villa, direkt am Kaisersteg, hatte auch Erich Stiewe, alias der „Wurstmaxe”, seinen Stand. Insbesondere Spät- und Nachtschichtarbeiter sowie Kinobesucher erwarben hier so manche Wurst, natürlich „garantiert Rind- und Schweinefleisch“. Und wenn sie mal ein bisschen geplatzt war, so kriegte mancher Arbeitslose eine geschenkt. Extrawurst. Der Wurstmaxe ließ auch anschreiben, bis zur nächsten „Stütze“ (heute Hartz IV).

Die Jahre gingen ins Land. Wirtschaftskrise. Geldschwierigkeiten. Und es begann die Zeit der Nationalsozialisten in Deutschland. Die Lehmanns zogen aus, die Villa wurde vermietet. Ihre Tochter mit Familie emigrierte 1933 nach England, bis 1939 auch der Rest der Verwandten.

Die Lehmanns blieben.
1941 kam der Wurstmaxe in Schwierigkeiten. Krieg. Würstchen nur noch gegen Abgabe von Fleischmarken. Anschreiben, Extrawurst, Verkauf ohne Marke. Ämter, die Abrechnung stimmte nicht mehr.
Der Wurstmaxe verschwand.

Die Lehmanns blieben.
Sie wohnten inzwischen bei einer befreundeten jüdischen Familie und trugen den „Judenstern“.
1942 erbten Richard und Else Lehmann die Hälfte des Vermögens, Grundstücke und Aktien der A&A Lehmann AG. Das Erbe wurde beschlagnahmt, einschließlich der Hasselwerder Villa.
Dort wurde ein Gesundheitsamt eingerichtet, mit einer Abteilung für „Erb- und Rassenpflege“.

Etwa zeitgleich entstand in 450 Meter Entfernung das NS-Zwangsarbeiterlager an der Britzer Straße 5, von wo aus bis Kriegsende täglich Hunderte Zwangs-Arbeiter und -Arbeiterinnen ihren Marsch zu den Rüstungsbetrieben in Oberschöneweide beginnen sollten. Über den Kaisersteg, vorbei an der Hasselwerder Villa.

Die Lehmanns blieben.
„Uns werden die doch nichts tun“, hatten sie gesagt. Warum auch, schließlich hatten sie viel für Berlin und Schöneweide getan und geholfen, Hunderten von Menschen eine Lebensgrundlage zu geben.

1943 wurden die Lehmans abgeholt.
Erst jüdisches Krankenhaus, Sammelstelle. Dann Theresienstadt. Dann Auschwitz.
Else und Richard Lehmann kehrten nicht zurück.

Projektskizze Hasselwerder Villa

(ehem. Fabrikantenvilla, Hasselwerderstraße 22 | 12439 Berlin)

Heute, 71 Jahre danach, erinnert in der Hasselwerderstraße kaum noch etwas an diese Vergangenheit. Die Fabriken und Wohngebäude wurden abgerissen, wie auch das Theater-Kino Elysium. An Richard und Else Lehmann erinnern nur ein paar kleine Zeilen auf einem Schild.

Die Hasselwerder Villa steht noch, jedoch weitestgehend leer.
1999/2000 wurde sie mit über einer Million DM (aus öffentlichen Mitteln) umfassend saniert. Als Verwaltungsgebäude.
Denn das blieb die Villa seit der Zeit der Nationalsozialisten (Gesundheitsamt, Wehrkreiskommando, Ordnungsamt).
Auch die umgebenden Frei- und Grünflächen wurden im Jahr 2000 unter Berücksichtigung von Flächenmanagement, Aufwertung der Uferzone und Gestaltung des Eingangsbereichs Niederschöneweide durch den neuen Kaisersteg mit öffentlichen Mitteln saniert und gestaltet.

Jetzt soll sie vom Liegenschaftsfonds verkauft werden, die Villa.
In einem bedingungsfreien Bieterverfahren. Also ohne Auflagen gegen Höchstgebot.
Unter Denkmalschutz – wie die Rathenau Villa auf der anderen Seite der Spree – steht die Villa nicht.
Also kann, wird man sie aus wirtschaftlichen Interessen abreißen;
und 71 Jahre nach den Lehmanns wird dieser geschichtsträchtige Ort für Schöneweide aufhören zu existieren.

Moving Poets Berlin „MoBe“ schlägt deshalb vor,
die Hasselwerder Villa als internationales Zentrum für Kunst, Kreativität und Begegnung (NOVILLA) zu betreiben. Menschennah und bodenständig, mit Künstlern, Kunst, Tänzen, Musik und Geschichten aus Schöneweide, Berlin und der Welt. Mit Kunst am SpreeKnie, Kunst für Kinder, Jugendliche und ältere Menschen. Mit Schriftstellern und Theater, mit Film, Multimedia und Workshops. Mit Kaffee, Kuchen, Eisbein und Bier. Und natürlich mit einem neuen „Wurstmaxe“ am Kaisersteg.

Zur Realisierung von NOVILLA muss die Hasselwerder Villa schnellstmöglich vom Liegenschaftsfonds in den Bezirk zurückgeholt werden.

Moving Poets wäre in diesem Fall bereit, diese sofort vom Bezirk zu übernehmen, zu bespielen und für alle mit dem Objekt und Nutzung verbundenen Kosten aufzukommen. Zum Beispiel im Rahmen eines Erbbauvertrages, aber auch andere Wege wären denkbar.
 
Wesentlich hierbei ist, dass dem Bezirk durch diese Regelung keine Kosten im bezirklichen Haushalt entstehen. Das Grundstück bleibt weiterhin Bezirkseigentum und die Hasselwerder Villa kann langfristig für die Allgemeinheit erhalten bleiben.

Wir sind fest davon überzeugt,
dass dies auch für den Bezirk wesentlich sinnvoller wäre als ein Verkauf durch den Liegenschaftsfonds.

Deshalb bitten wir den Bezirk,
uns schnellstmöglich mitzuteilen, ob und unter welchen Bedingungen er hierzu bereit wäre.

Eine solche Nutzung wäre auch im Kontext des Kultur- und Kreativquartiers Schöneweide sinnvoll und kann auf Grund der Schlüssellage der Villa am Kaisersteg mit direkter Verbindung zum Stadtplatz zu dessen Belebung als (bisher noch unterrepräsentiertes) Zentrum von Schöneweide beitragen.
Aus Moving Poets Kontakten zu unterschiedlichen lokalen Berliner, überregionalen und internationalen Künstlern und Initiativen ergeben sich zahlreiche Kooperationsmöglichkeiten.

Wie zum Beispiel:

  • mit dem Festival „Kunst Am SpreeKnie“
  • dem Netzwerk „Schöneweide Kreativ“, welches im Juni 2012 bei Moving Poets Berlin „MoBe“ gegründet wurde
  • mit der Künstlerin und Aktivistin Gcina Mhlophe, welche in der Apartheid-Ära aufwuchs und zu den 20 bedeutendsten Persönlickeiten Südafrikas zählt
  • mit Wole Soyinka, welcher als erster Vertreter der Afrikanischen Literatur 1986 den Nobelpreis erhielt
  • Und natürlich auch mit dem Jugendschiff ReMiLi und einer am Standort Hasselwerder Strasse 22a möglichen Kindertagesstätte.
  • Moving Poets entwirft und leitet Jugendprojekte bereits seit 1997 und wurde für sein Jugend Projekt „Hometown“ in Charlotte, USA, mit dem McColl Award ausgezeichnet.


NOVILLA kann bei seiner Verwirklichung auf Unterstützung zählen:

  • von Schöneweider, Berliner und Internationalen Künstlern,
  • der südafrikanischen Künstlerin Gcina Mhlophe,
  • der Südafrikanischen Botschaft,
  • der Kolumbianischen Botschaft,
  • den Moving Poets Charlotte (USA),
  • dem Schweizer Künstler Luis Coray,
  • Alban Alved Dance Company (USA),
  • dem Netzwerk „Schöneweide Kreativ“,
  • der Agentur Griot,
  • den New River Dramatists (USA),
  • der Synergie GmbH,
  • der Schirim GbR,
  • dem Schock Verlag,
  • der Espresso Bar LaLü,
  • der Harper Corporation of America,
  • der Britts Foundation,

sowie von privaten Sponsoren und zahlreichen freiwilligen Helfern.

NOVILLA– Internationales Zentrum für Kunst und Begegnung

Erdgeschoß: 
   
Kultur Caffe/Bistro & Pianobar (ca. 100 m²) Mit kleineren Ausstellungen, Konzerten & Lesungen

1. Stock:       
„Lehmann Hall“ &  „Toby‘s Gallery“ (ca. 150 m² & 75 m²) Ausstellungen, Konzerte, Workshops, Performances, Sparten und Kulturübergreifende Projekte, Film, Theater, Tanz

2. Stock:     
6 Wohn- und Arbeitsstudios für Künstler Residenzen/Austausch, auch für Künstler mit Kindern

3. Stock:     
1 Studio für Gast Künstler und Hausmeisterwohnung

Garten:     
Wurstmaxe. Wurst Stand mit partizipativen Kreativelementen, Piano und Soup Opera

Auszug regelmäßiger Programme:

  • Künstler-Residenzen und internationaler Austausch, auch für Familien und Mütter mit Kind
  • Story Month Schöneweide: Geschichten, Andenken und Würdigung bekannter und unbekannter Menschen, die in Schöneweide und im Bezirk Treptow-Köpenick Großes und Kleines geleistet haben. Menschen erzählen ihre Geschichten. Mit internationalen Komponenten.
  • International Story Month. Geschichten, Andenken und Würdigung bekannter und
  • unbekannter Menschen aus aller Welt. Mit lokalen Komponenten.
  • Wunderhalle. Monat der Kinderkunst in Zusammenarbeit mit lokalen Kitas und Schulen.
  • Mit internationalen Komponenten.
  • Philosofa. Prozessorientierte Performances, in denen Künstler dem Publikum
  • ihr Prozesse auf kreative Weise näher bringen.
  • Tanzworkshops unterschiedlicher Stilrichtungen, auch für ältere Menschen.
  • Stadtplatz. Sparten und kulturübergreifende Kunst- und Kreativprojekte am Kaisersteg und Stadtplatz.

 

Wir suchen eine breite Öffentlichkeit, die dieses Projekt unterstützt.
Wenn auch Sie für die kulturelle Nutzung der Hasselwerder Villa sind, unterstützen Sie uns und schreiben eine e-mail an
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Nachfolgendes Anschreiben wurde an die Mitglieder der demokratischen Parteien und
an die Bezirksstadträte/innen des Bezirks Treptow-Köpenick am 21. Januar versandt.


Sehr geehrte Damen und Herren,
wir bitten Sie um Ihre persönliche politische Unterstützung.

Bereits in den nächsten Wochen soll das Areal der Hasselwerder Villa durch den Liegenschaftsfonds in einem bedingungsfreien Bieterverfahren – ohne Nutzungsauflagen gegen Höchstgebot – verkauft werden.
Damit verschwindet ein geschichtsträchtiger Ort im Ortsteil Schöneweide und wird potentiell dem Abriss preisgegeben. Die Villa steht nicht unter Denkmalschutz.
Eine wirtschaftliche Nutzung der um 1906 erbauten Fabrikanten-Villa am Hasselwerder Ufer unter den heutigen Gesichtspunkten ist kaum vorstellbar.
Die bauliche Struktur der Villa ist als Wohn- und Arbeitsbereich für die damaligen Verhältnisse ausgelegt und impliziert nur eine ganzheitliche Nutzung.

Wir schlagen vor,
die Hasselwerder Villa als internationales Zentrum für Kunst, Kreativität und Begegnung (NOVILLA)
zu betreiben. Menschennah und bodenständig, mit Künstlern, Kunst, Tänzen, Musik und Geschichten aus Schöneweide, Berlin und der Welt. Mit Kunst am Spreeknie, Kunst für Kinder, Jugendliche und ältere Menschen. Mit Schriftstellern und Theater, mit Film, Multimedia und Workshops.

Um dieses Vorhaben zu realisieren, ist es notwendig, die Hasselwerder Villa schnellstmöglich vom Liegenschaftsfonds (noch vor Eröffnung des Bieterverfahrens) in den Bezirk Treptow-Köpenick zurückzuholen.

Moving Poets Berlin gGmbH ist bereit, die Villa anschließend sofort vom Bezirk zu übernehmen, zu bespielen und für alle mit dem Objekt und Nutzung verbundenen Kosten aufzukommen. Zum Beispiel im Rahmen eines Erbbauvertrages, bei dem das Grundstück Bezirkseigentum bleibt. Aber auch andere Wege wären denkbar.

Wesentlich hierbei ist, dass
–    dem Bezirk keine Kosten im bezirklichen Haushalt entstehen.
–    die Hasselwerder Villa langfristig der Allgemeinheit erhalten bleibt.

Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen und herzlichem Dank für Ihre Unterstützung,

 

MyLoan Dinh und Till Schmidt-Rimpler / moving poets Berlin gGmbH / fon: 0163 - 664 96 14
Michael Schock / Schock Verlag / fon: 0173 - 604 59 35
Lutz Längert / Mitglied des Netzwerk „Schöneweide Kreativ“ / fon: 0177 - 315 45 30

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