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Filmwissenschaftlerin und Schauspielerin, Kommunalpolitikerin

H.M.: Sie sind für die SPD Mitglied in der Bezirksverordneten-
versammlung Treptow-Köpenick und leiten den Kulturausschuss. Beschreiben Sie uns bitte die Arbeit dort.
I.V.: Der Ausschuss hat ein riesiges Arbeitsfeld, neben der Kultur auch die Weiterbildung. Die umfasst Musikschule, Volkshochschule, Bibliotheken und die Museen. Mit der Kultur passt das inhaltlich gut zusammen. Unsere politische Aufgabe ist, Weiterbildung und Kultur möglich zu machen, zu verbessern, zu unterstützen.

Dabei geht es zum Beispiel um Arbeitsbedingungen von Künstlern, von Lehrern an Musik- und Volkshochschulen. Wir gehen den Anliegen der Bürger nach, die sich an uns wenden, befassen uns mit Anträgen und bearbeiten, was die BVV beschließt auf unserem Gebiet.
Ich als Vorsitzende lege die Inhalte fest, die Themen. Bei diesem großen Bereich muss man aufpassen, dass die Proportionen stimmen.

H.M.: Bildung und Kultur. Bei diesen Stichworten geht es heutzutage meist sehr schnell ums Geld. Auch in Ihrer kommunalpolitischen Arbeit?
I.V.: Ein großer Teil der Arbeit ist bei knapper werdenden Finanzen vorwiegend leider finanz- und haushaltspolitisch. Ich bin nicht die Einzige, die sich bemüht, dem Ganzen dennoch einen inhaltlichen, einen politischen Aspekt, eine Richtung zu geben und Visionen nicht aus dem Auge zu verlieren. Aber Vieles ist eben geprägt von den vorhandenen Mitteln. Zumal Kultur schon in der Natur der Sache immer ein subventionierter Bereich war. Und in der Weiterbildung ist es nicht viel anders.
Unsere erste Aufgabe als Bezirksverordnete ist die Kontrolle der Verwaltung, des Bezirksamtes. Ein großes Instrument dabei ist nun mal der Haushalt, den wir beschließen und der über Jahre einen Weg weist, ein Fundament setzt. Mit Anträgen, für die man Mehrheiten finden muss, kann man Verhaltensweisen im Bezirksamt anregen oder ändern. Dazu ist die Bezirksverordnetenversammlung da.
Ein gravierendes Problem ist die personelle Situation. So müssten wir eigentlich nach dem Ausscheiden von Doris Thyrolph die Position der Fachbereichsleitung Kultur neu besetzen. Treptow-Köpenick kann das momentan nicht, soll ja sogar noch Personal abbauen. Und so kann es gar nicht ausbleiben, dass Finanztechnisches oft über Inhaltliches gestellt werden muss.

H.M.: Auf der einen Seite sind Sie Kommunalpolitikerin, andererseits selbst freiberuflich mit Kultur und Kunst beschäftigt. Geht das gut zusammen?
I.V.: Für mich ist es sehr wichtig zu wissen, was im Bezirk los ist in der Kultur. Da bin ich seit vielen Jahren gut im Bilde. Selbst auch als Künstlerin zu arbeiten, macht es noch besser. Man kennt die Arbeitsbedingungen der Kolleginnen und Kollegen aus eigener Erfahrung und kann deren Probleme so viel besser nachvollziehen. Ich empfinde es als Vorteil und die Menschen in den Kultureinrichtungen ebenfalls, wenn man aus eigenem Erleben weiß, wovon man spricht.

H.M.: Wie würden Sie die Kulturlandschaft des Bezirkes beschreiben?
I.V.: Treptow-Köpenick ist ein großer Bezirk. Noch haben wir einigermaßen Ausgewogenheit, in allen Ortsteilen findet Kultur statt. Es ist doch so, dass die Leute gern in ihrem Kiez bleiben. Viele Einrichtungen machen gute Qualität mit beachtlichen Programmen, einfalls- und abwechslungsreich, zum Beispiel die Theater, die unterschiedliche Interessen bedienen.
Wir haben auch neue Leuchttürme, ich denke da an die Treptower Kleinkunstbühne „corbo“. Dazu gehören auch die Traditionen, die Köpenicker Schlossinsel ist für meine Begriffe gleichfalls so ein Leuchtturm. Das FEZ in der Wuhlheide ebenso. Nicht zu vergessen: Wir haben ein gewaltiges Potenzial von Künstlern im Bezirk.
Ich mache mir momentan wegen des Haushalts Sorgen um die gesamte Kultur. Und es ist problematisch, dass zu Vieles in den Häusern ehrenamtlich gemacht wird. Wie lange soll das noch gehen? Finden sich Nachfolger für die oft nicht mehr so ganz jungen Menschen, mit denen häufig alles steht und fällt? Auf alle Fälle möchte ich die Ausgewogenheit zwischen den Ortsteilen gern erhalten.

H.M.: Was darf man nächsthin beruflich, künstlerisch von Ihnen erwarten?
I.V.: Von Hause aus bin ich ja Filmwissenschaftlerin und Dramaturgin. Deshalb ist Schauspiel eine Leidenschaft. Ab und zu spiele ich kleinere Rollen in Film und Fernsehen. Das brauche ich, um auch mal eine andere Seite von mir rauszulassen. Und meine Lesungen sind deshalb vorwiegend szenisch. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man als Künstlerin angenommen wird. Das ist das Schöne an meinem Dasein als freiberufliche Künstlerin.
Ich mache Filmvorträge in mehreren Berliner Bezirken. In diesem Jahr sind Sophia Loren und Brigitte Bardot zwei Themen. Die werden beide 80, dem möchte ich mich widmen. Ebenso dem 450. Geburtstag von Shakespeare unter dem Aspekt Shakespeare im Film. Zum 115. Geburtstag von Erich Kästner bereite ich ebenfalls ein Programm mit zwei Musikern vor. Meine Lesereihe „Gruseliges“ erhält in diesem Jahr Teil 3.


Mit Irina Vogt sprach Harry Mehner.

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