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Musiker, Bandleader, Produzent, Lehrer für Schlagzeug
H.M.: Wie bist du zur Musik gekommen? Hast du von Anfang an am Schlagzeug gesessen?
S.B.: Bei mir hat es mit Punk angefangen. Ich war 13, da hat mich ein Kumpel angesprochen, der spielte Bass: „Pass auf, wir machen eine Band zusammen. Da spielen noch drei Kumpels mit.“ Ich wollte eigentlich Gitarre spielen und sogar singen. Also, Singen in Anführungsstrichen, wir hatten ja vor, Punk zu machen...

Dann haben wir uns getroffen, nur das Schlagzeug war noch frei, und ich habe versucht, den ersten Beat umzusetzen. Diese, meine erste, Band hieß HALBSTARK. Nach drei Monaten gab es mit vier Songs den ersten Auftritt. Das war im FEZ, im Foyer. HALBSTARK hat sich schnell aufgelöst. Meine nächste Band spielte eher Hardcore, Metal. Es ging immer weiter, das Niveau stieg. Bald habe ich angefangen, Unterricht zu nehmen.

H.M.: Passte das denn zusammen mit Schule und Ausbildung?
S.B.: Nach der Schule hab‘ ich ein Weilchen gearbeitet, Zivildienst gemacht, im Anschluss eine Tischlerlehre. Als ich die hinter mir hatte, habe ich im Mellowpark Rampen gebaut, für die BMXer und Skater. Während der ganzen Zeit habe ich immer in Bands gespielt, auch damals schon manchmal parallel in mehreren. Und Unterricht habe ich bereits gegeben.

H.M.: Du gehörst also zu den Köpenicker Künstlern der jüngeren Generation, die aus dem Mellowpark kommen?
S.B.: Ja, das gehörte für mich alles zusammen – Musik, Skateboard fahren, Rampen bauen, Graffiti sprühen. Jedes fand auf einem ähnlichen Level statt. Vielleicht hab ich das alles ausprobiert, um das Richtige für mich zu finden. Irgendwann ging das zeitlich nicht mehr zusammen. Und Geld verdienen musste ich ja auch. Schließlich habe ich mich für die Musik entschieden, ganz und gar. All eins und später Mellowpark waren ein ganz wichtiger Platz für mich. Hier konnte ich alles das machen, was ich wollte.

H.M.: Schlagzeuger werden nicht selten in musikalischen Formationen eher als Randfiguren gesehen. Hat du dich darüber jemals geärgert?
S.B.: Das war vielleicht mal so. Die Zeiten haben sich geändert. Drumming ist so komplex geworden. Heute gibt es Bands, wo sich musikalisch alles um die Drums dreht. Was man aber nicht unterschätzen sollte, es ist eine Kunst, die einfachen Sachen gut zu spielen, eben die Basis. Wenn jemand ein Vorurteil hat, ist es sein Problem. Ich leide darunter nicht, ich spiele in vielen Bands, deren Anspruch ziemlich hoch ist. Klischees sind nicht wichtig für mich.

H.M.: Du bist äußerst vielseitig, das geht von Pop-Rock über Hardcore bis hin zu Jazz, Funk und Blues. Was ist dir am wichtigsten?
S.B.: Klar, oftmals bin ich vorwiegend Dienstleister, wenn ich als Drummer für Projekte arbeite. „Jazziki“ und „The Queens Gang Orchestra“ liegen mir besonders am Herzen, da bin ich der Bandleader. Deshalb habe ich für die neue CD von „Jazziki“ nicht nur am Schlagzeug gesessen, sondern die Aufnahme auch produziert und finanziert. Daneben ist mir die Zusammenarbeit mit Musikern wie Iris Romen, Toni Mahoni oder Michme sehr wichtig.
Es fällt mir schwer, irgendwas hervorzuheben. Eigentlich geht das gar nicht. Denn ich mache das ja alles, weil mir Musik so wichtig ist. Und ich bin sehr idealistisch. Manche Musiker sind sicher wohlhabender als ich, ob auch glücklicher, weiß ich nicht. Mir wird mit der Zeit immer wesentlicher, dass ich mit den Leuten, den Musikerkollegen, gut kann. Das kommt vor der Höhe der Gage.

H.M.: Gibt es Musik, mit der du überhaupt nichts anfangen kannst?
S.B.: Na ja, bestimmt... Aber ich habe musikalisch inzwischen eine total große Bandbreite. Anfangs war das natürlich anders. Mit der Zeit bin ich offen für fast alle musikalischen Genres geworden. Viele interessieren sich nur für die aktuellen Trends. Ich will auch wissen, woraus das alles entstanden ist, welche Musiker in ihrer Zeit wichtig waren. Die Musik von heute kommt ja aus der Musik von früher. Mich interessiert vor allem die Musik, die großartig ist, von höchster Qualität, jedoch neben dem Mainstream existiert. Musik hab‘ ich immer im Kopf, Tag und Nacht. Es gibt so viel gute Musik, man schafft es ja nicht, so 'ne Masse zu hören.

H.M.: Du bist unter anderem auch Musiklehrer? Warum? Nur, um Geld zu verdienen?
S.B.: Unterricht ist für mich einerseits Broterwerb, andererseits Bedürfnis. Das fing schon mit 15 an, als mich Kumpels gefragt haben, ob ich ihnen nicht was beibringen kann. Und bereits während meiner Lehre habe ich zweimal die Woche in einem Jugendklub Schlagzeug-Unterricht gegeben. Seitdem eigentlich ununterbrochen, meist privat, von Zeit zu Zeit auch in Musikschulen. Meine jüngste Schülerin war gerade vier Jahre alt, nach oben setze ich keine Grenzen.

H.M.: Was kommt demnächst? Was wünscht du dir?
S.B.: Erstmal müssen alle Projekte am Laufen gehalten werden. Ich möchte gern eine Solo-Platte machen, zu der ich mir für jeden Track Musiker aus meinem Umfeld hole. So 'ne Art Wunschkonzert... Da will ich gern ganz allein bestimmen, wie die Musik klingen soll. Aber, ich glaube nicht, dass das in diesem Jahr schon was wird. Den Traum habe ich jedenfalls. Mir hat in New York ein Schlagzeuger, bei dem ich Unterricht hatte, gesagt: „Du musst wissen, ob du für Andere die Träume erfüllen willst, oder für dich selbst.“ Eigentlich war mir das schon immer klar, aber es ist gut, wenn es dir jemand sagt.
www.sb-drums.com

Mit Sascha Bachmann sprach Harry Mehner.

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