Menü

Aufbruch von unten

Am Ende der Reinbeckstraße, da wo der Industriesalon Schöneweide Besuchern einen Einblick in die Geschichte der Elektropolis gibt, liegt das Schauhallenareal. Die großen Hallen atmen noch den Industriecharme vergangener Zeiten. Doch bald sind sie nicht mehr nur Zeugnis einer bewegten Geschichte: Die ehemaligen Produktionshallen vom Transformatorenwerk Oberspree sollen von Kunst- und Kulturschaffenden genutzt werden.
Ein Künstler ist schon da: Der Sänger und Fotograf Bryan Adams kaufte im letzten Jahr eine ganze Halle, um sie zum Atelier- und Kunstzentrum auszubauen.

Innenraumperspektive der Betonhalle; eva eckstein verhülsdonk architekten | www.evaberlin.com

Nun wird es weitere Investitionen in die noch leerstehenden Hallen auf dem Gelände geben – auf 10.000 m² sollen Ateliers und Studios für Künstler, Kunstsammler und Galeristen entstehen, eine gemeinsame Eventfläche bietet Raum für Ausstellungen und Veranstaltungen. Bis Mitte dieses Jahres soll die Erschließung abgeschlossen sein. Der Ausbau individueller Atelierflächen erfolgt dann gemeinsam mit den künftigen Nutzern. Wer diese Nutzer sein werden, entscheiden die bereits Ansässigen gemeinsam mit dem Eigentümer: „Das muss schon passen. Es geht schließlich darum, das „Künstler-Orchester“ perfekt zusammen zu setzen“, sagt der Eigentümer Sven Herrmann. Bis Mitte 2015 sollen die ersten Mieter eingezogen sein.

Quelle: Newsletter – Regionalmanagement Berlin-Schöneweide / 7. März 2014


Ein Aprilscherz ?
Oder will der „große Zampano der Schauhallen Berlin“ nun nach zehn Jahren Stille Dirigent werden?
Für alle, die damals noch zu jung waren, oder in der heutigen Informationsflut nicht mehr wissen, was damals durch die Berliner Presse ging, hier eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse.

„Die von Ihnen vorgesehene Kombination von Museen, privaten Kunstsammlungen und Galerien unter einem Dach sucht – zumal in der geplanten Größe der Ausstellungsflächen –
auch im weltweiten Vergleich ihresgleichen.“ Die Grundlage für diese euphorische Wortmeldung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit im Oktober 2005 waren Herrmanns vollmundige Visionen.
… Aus einer alten Industriebrache an der Spree wird ein Kunst-Mekka – Zentrum für moderne Kunst – entstehen. … Es wird insgesamt rund 14 - 20 Millionen Euro kosten und wird privat finanziert werden. „Wir sind dabei, kunstinteressierte Unternehmen als Geldgeber zu gewinnen“, sagte Sven Herrmann. Das Nestlé-Tochterunternehmen Nespresso sei schon mit im Boot. „Wir gehen Schritt für Schritt vor“, so der Jurist. Auf einer Gesamtfläche von 9.500 Quadratmetern werde ein Komplex aus je zwei Museen und Privatsammlungen sowie 16 Galerien entstehen … Den Investoren zufolge hat das Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main bereits zugesagt, dort seine Berlin-Dependance einzurichten. Mit dem Whitney Museum of American Art New York werde noch verhandelt. Die Eröffnung ist für 2007 mit der Sammlung Goetz geplant und dann werden 300.000 Besucher aus aller Welt jährlich nach Schöneweide in das „Mekka zeitgenössischer Kunst“ streben.

Die Euphorie war groß und alle waren begeistert. Im September 2004 wurde zwischen dem Bezirk und dem Investor ein Kaufvertrag geschlossen. Der Bezirk und das Land Berlin investierten darauf hin rund 6,7 Millionen Euro in diese Vision. Über die Spree wurde eine Fußgängerbrücke geschlagen, ein Schiffsanleger mit Bootssteg (2012) gebaut, ein Stadtplatz lädt zum Verweilen ein, eine Grünfläche (Skulpturengarten) gleich daneben gibt Gelegenheit zum Sonnen und Spielen, die historische Kranbahn wurde zur Allee umgebaut (alles eröffnet am 13. Dezember 2007 und als „Maßnahmen der Umfeldentwicklung“ für die Schauhallen Berlin realisiert).

Was ist nun seitdem passiert auf dem Gelände des bedeutenden kulturpolitischen Projektes „Schauhallen Berlin“?
Die privaten Investoren investierten nicht. Der Eigentümer: Auch er investiert nicht,
es liegt brach, das Gelände, die Natur holt sich den betonierten Raum zurück – Finanzkrise!



Halt, stimmt nicht ganz, der Investor baut 2012 die ehemalige Poliklinik des Transformatorenwerkes zu einem Studentenwohnheim aus – ist halt lukrativer; ca. 16,35 €/m² Warmmiete, denn es sind inzwischen über 9.000 Studenten in Schöneweide bei der HTW angekommen.
Oh, Entschuldigung das hat nichts mit dem Gelände der „Schauhallen Berlin“ zu tun, ist ein ganz anderes Herrmann-Projekt.

Aber ich will sachlich bleiben, schauen wir uns doch einfach an,
was der „Visionär“ auf seinem 20.000 Quadratmeter bis heute zustande gebracht hat.
Bis ins Jahr 2009 war „geschäftige Ruhe“. Aber dann, er stellt dem Industriesalon Schöneweide, einem gemeinnützigen Verein, eine seiner Hallen für 1 Euro Monatsmiete großzügig zur Verfügung. Der baut dort seine Ausstellung zur Industriegeschichte Schöneweides auf und richtet die Halle für seine Belange her, aktiviert bereits lange abgestellte Versorgungsleitungen (Wasser, Strom, …), natürlich auf eigene Rechnung.

Ab September 2011 ist es dann endlich soweit. Mit den bewilligten Fördergeldern können notwendige Umbauten realisiert werden, wie z. B. nach zwei Wintern eine Heizung für die Halle, so dass der Betrieb auch in kalten Monaten des Jahres möglich wird. „… energetisch saniert. Unter anderem bekommt der Bau ein neues Dach, einen neuen Fußboden, Wärmedämmung … Dafür haben wir 307.000 Euro von den beschlagnahmten Geldern der Parteien und Massenorganisationen der DDR zur Verfügung gestellt bekommen …“, freut sich die Vereinsvorsitzende.
Im Frühjahr 2012 wurde die Halle im neuen Gewand feierlich eröffnet, weitere Fördergelder fließen in die Ausgestaltung der Halle und der Eigentümer, auch er investiert 2012 sichtbar für alle auf seinem Gelände. Er baute das Pförtnerhäusschen (20 m²) zum „Café Schoeneweile“ um, mit einem Buddelkasten auf der öffentlichen  „Plaza“.

Also, es ist falsch, wenn behauptet wird, es gebe keine Entwicklung auf dem Gelände. Ich bin mir bewusst, dass „GUT-MENSCHEN“, auch wenn sie sich selbst nur so sehen, es schwer haben in dieser Welt. Ob Rechtsanwalt, Immobilienkaufmann oder „Kunst-Mäzen“, man wird prinzipiell immer falsch verstanden.

Die Euphorie in das Schauhallen-Berlin-Projekt ist verflogen, keiner will inzwischen damit etwas zu tun gehabt haben. Und doch, bei aller Ironie und dem bleibenden faden Beigeschmack: Die damals durch den Bezirk getroffenen Entscheidungen zu diesem Projekt und dem Umzug der FHTW (HTW) waren nun mal die wesentlichen Faktoren für die Neuorientierung und den Beginn der Entwicklung Schöneweides zu einem Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftsstandort im Bezirk Treptow-Köpenick.

Nun aber, nach zehn Jahren, scheint es ein Remake mit den Schauhallenareal 2.0 zu geben.
Und der bekannte Kunst-Mäzen Herrmann (Schauhallen Berlin) betritt das Dirigentenpult.
Kann er sich ja auch leisten, rings um sein Grundstück wurden in den Jahren rund 335 € pro Quadratmeter über Steuergelder für eine Umfeldentwicklung investiert.
Er selbst bezahlte (2004) nur rund 21,62 €/m² für seine Fläche. Eine gute Rendite also.

Ich bin sehr gespannt auf das Konzert des Herrmann-Orchesters in Schöneweide.

Michael Menke
Innenraumperspektive der Betonhalle; eva eckstein verhülsdonk architekten | www.evaberlin.com
Georg Krause | www.georg-krause.de

kurz $ knapp

Sie möchten anderen Kulturinteressierten den Besuch einer bestimmten Veranstaltung dringend empfehlen?

Oder den Besuchern des Kulturfensters einen Veranstaltungsort besonders ans Herz legen?

Oder ein Event hat Ihnen außerordentlich gut gefallen? Oder vielleicht auch nicht?

In der Rubrik kurz & knapp
haben Sie dazu die Möglichkeit!

Anmelde-Formular

Letzter Monat Dezember 2018 Nächster Monat
Mo Di Mi Do Fr Sa So
week 48 1 2
week 49 3 4 5 6 7 8 9
week 50 10 11 12 13 14 15 16
week 51 17 18 19 20 21 22 23
week 52 24 25 26 27 28 29 30
week 1 31

 

Kiezkultur
übern Tellerrand

Das Internetportal für Kiez-Kultur
in den Berliner Bezirken!
Ausgehend von unseren Erfahrungen bei der Herausgabe bezirklicher Kultur-Magazine in gedruckter Version seit 2003 ging im Februar 2009 mit dem Kulturfenster Berlin eine neue Plattform für die Bezirke online.

Ihr Bezirk ist noch nicht vertreten?

Nehmen Sie Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
mit uns auf!
nach oben